Gedenkplastik an der Uni Potsdam/Standort Golm

Skizze der Gedenkplastik von Volker Bartsch
Skizze der Gedenkplastik von Volker Bartsch

Einweihung am 15. Januar 2015

Dr. Saskia Ludwig (CDU), Friede Springer (Verlegerin und Mäzenin), Volker Bartsch (Bildhauer/Maler), Prof.Dr. Oliver Günther (Präsident der Uni Potsdam
Dr. Saskia Ludwig (CDU), Friede Springer (Verlegerin und Mäzenin), Volker Bartsch (Bildhauer/Maler), Prof.Dr. Oliver Günther (Präsident der Uni Potsdam)

Von 1951 bis zur Wende wurden am Standort der ehemaligen Stasi-Schule in Golm etwa 30.000 Offiziere und Spitzel der Staatssicherheit der DDR ausgebildet: Nun erinnert die Universität Potsdam mit einer Bronzeplastik an die Opfer der Staatssicherheit in der DDR.

An der Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, die zuletzt den Namen „Juristische Hochschule Potsdam“ trug, wurden Stasi-Kader geschmiedet, das Stammpersonal trug Waffen. Unterrichtet wurden unter anderem Spionage, operative Psychologie, Feindkontakt oder Zersetzung.

Seit dem Oscar-prämierten Film „Das Leben der Anderen“ – unter anderem auch in Golm gedreht – weiß auch eine breite Öffentlichkeit, wie es das MfS anstellte, Menschen zu etwas zu bringen, das sie gar nicht wollten, sie in ein Gefängnis der Angst einzusperren. Die Grundlagen dafür wurden in Golm gelegt. Heute gehen hier Studierende der Uni Potsdam ein und aus, sie studieren so harmlose Fächer wie Mathematik, Musik, Biologie oder Astronomie. Was hier fast ein halbes Jahrhundert lang gelehrt wurde, wissen nur die wenigsten. Das möchte die Universität Potsdam ändern.

Am 15. Januar 2016 wurde eine Bronzeskulptur von Volker Bartsch eingeweiht, ein wuchtiger "Stolperstein" genau an der Stelle, an der einst die Pforte zum Stasi-Gelände stand. Viel zu lange habe es gedauert, bis die Universität sich der Geschichte an diesem Ort gestellt hat, sagte Uni-Präsident Oliver Günther. Wie ein Stein des Anstoßes soll die Skulptur des Bildhauers Volker Bartsch nun Anlass zur Beschäftigung mit diesem dunklen Kapitel des Ortes geben. Prominente Spender wie Friede Springer und Hasso Plattner, aber auch Josef Jakobs vom Spargelhof in Schäpe machten das Vorhaben mit 10 000 Euro möglich.

Seit 1951 existierte die DDR-Geheimdiensthochschule in Potsdam-Golm. Damals schworen die Auszubildenden noch darauf, für Stalin in den Tod zu gehen. 1955 wurde sie zur Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit, an der Stasi-Offiziere Lehrgänge absolvierten. 1965 dann wurde daraus die Juristische Hochschule Potsdam, die staatlich anerkannte Abschlüsse ermöglichte. Dem militärischen Charakter entsprechend wurde in Uniform studiert. Mielke-Stellvertreter Gerhard Neiber, Wolfgang Schwanitz und DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski promovierten in Golm. Von einer "Hochschule" will Stasi-Experte Klaus Schröder von der FU Berlin gar nicht sprechen, hier sei weder wissenschaftlich gearbeitet worden, noch hätten die Inhalte der Arbeiten mit Wertfreiheit und freiheitlichem Denken zu tun gehabt. Der juristische Aspekt habe nur der Verschleierung gedient, stellte auch die Stasi-Unterlagenbehörde fest.

In der Wendezeit wurde die Juristische Hochschule abgewickelt und ging in der Pädagogischen Hochschule Potsdam auf, aus der später die Universität hervorging, die sich aber nicht als Rechtsnachfolgerin sieht. An der Golmer Stasi-Hochschule wurden 485 Promotionen abgeschlossen, wobei aber nur 174 schriftliche Arbeiten angefertigt wurden. Viele Arbeiten wurden in Gruppen erstellt, meist hatte sie kaum 50 Seiten. Insgesamt wurden rund 30 000 Menschen an der Juristischen Hochschule aus- und weitergebildet.

Deren akademische Titel dürfen laut Einigungsvertrag bis heute getragen werden. „Das ist der eigentliche Skandal, dass die Leute ihre Titel heute noch tragen“, sagte der Präsident der Potsdamer Uni, Klaus Schröder, bei der Einweihung der Bronzeskulptur unter lautem Beifall

Unter den nachfolgenden Links finden Sie einige Impressionen der medialen Berichterstattung zur Einweihung am 15. Januar 2016:

Potsdamer Neueste Nachrichten (erschienen am 16.01. auf Seite 13): www.pnn.de/potsdam/1041060/http://www.pnn.de/potsdam/1041060/

http://www.bild.de/regional/berlin/stasi/potsdams-uni-erinnert-an-ihre-dunkle-geschichte-44171044.bild.html

www.maz-online.de/Brandenburg/Stolperstein-der-Stasigeschichte

https://17juni1953.wordpress.com/tag/volker-bartsch/

www.uni-potsdam.de/medienmitteilungen/detail-latest/article/2016-01-11-bronzeplastik-soll-an-die-opfer-des-ministeriums-fuer-staatssicherheit-auf-dem-campus-gol.html

wirsindwerder.de/2016/01/uni-bronzeplastik-zum-gedenkan-stasi-opfer/

www.saskia-ludwig.de/neuigkeiten/pressemitteilung/grusswort-zur-einweihung-der-bronzeplastik-am-uni-campus-golm

Gedenkplatte zur Erinnerung an T4 Euthanasie-Opfer

Volker Bartsch (1989): Gedenktafel zur Erinnerung an die Euthanasie-Ofer von T4
Volker Bartsch (1989): Gedenktafel zur Erinnerung an die Euthanasie-Ofer von T4

Die Villa am Berliner Tiergartenrand, in der die Planungszentrale der „T4“-Morde untergebracht war, wurde 1944 durch Bomben schwer beschädigt und in den 1950er-Jahren abgerissen. Genau an ihrer Stelle entstand im Jahr 1963 die Philharmonie, das Herzstück des zukünftigen Kulturforums.

Seit Mitte der 1980er-Jahre hatten Bürgergruppen auf die Bedeutung des Ortes aufmerksam gemacht. Zum 750-jährigen Stadtjubiläum im September 1987 organisierte eine Initiativgruppe eine Ausstellung am historischen Ort mit historischen Informationen und Dokumenten. Sie wurde in wurde in einem ausrangierten und umgebauten Doppeldecker-Bus gezeigt, von außen grau gestrichen wie jene „Grauen Busse“, die in der NS-Zeit die Patienten in die Tötungsstätten gebracht hatten. Mehrere Wochen stand das „Mobile Museum“ neben der Bushaltestelle vor der Philharmonie; Diskussionen und eine Spendensammlung für ein Denkmal machten auf die nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde und den historischen Ort aufmerksam.

Der Senat von Berlin beschloss dann, eine Skulptur des amerikanischen Bildhauers Richard Serra aufzustellen.

Serra hatte diese Arbeit – zwei geschwungene Stahlplatten, die einen engen Durchgang lassen – auf einer Kunstausstellung vor dem Martin-Gropius-Bau gezeigt, danach verblieb sie in Berlin, wurde an der Philharmonie gezeigt und zum Denkmal für die „Euthanasie“-Opfer.

Um diese Widmung deutlich zu machen, schrieb der Senat einen Kunst-am-Bau-Wettbewerb für eine Gedenkplatte aus, die an die „vergessenen Opfer“ erinnert. Aus diesem ging Volker Bartsch als Sieger hervor. Er gestaltete die Platte bewusst schlicht, um dem mahnenden Text umso mehr Wirkung zu verleihen. Die Gedenk-Worte wurden mit den Initiativgruppen der Aktion „Mobiles Museum“ abgestimmt. Sie verweisen auf die „Euthanasie“-Verbrechen sowie auch auf die Rolle des Ortes hin und enden mit dem Satz „Die Zahl der Opfer ist groß, gering die Zahl der verurteilten Täter.“

Seit der Einweihung am 1. September 1989 finden hier jährlich Gedenkveranstaltungen und Mahnwachen statt. Die Bronzetafel wird von den meisten Menschen als eigentliches Gedenkzeichen angesehen.

 

Momentan wird die T4-Gedenkstätte unter dem organisatorischen Dach der Stiftung Topographie des Terrors überarbeitet. Infos hierzu unter:

 

gedenkort-t4.eu/de/zukunft/erinnerungsformen-t4