Tanz auf dem Vulkan

Eine Ende der 1980er Jahre geschaffene Bilderserie greift Bartschs Erfahrungen mit der AIDS-Angst auf. Nach einer Periode sexueller Freizügigkeit herrschte damals plötzlich große Panik vor diesem tödlichen Virus, das auch die Schönsten und Begehrtesten zur Zurückhaltung und Vorsicht zwang. Attraktive Frauen, deren Körper nun umso begehrenswerter schienen, präsentieren in seinen Werken dieser Zeit alles, verweigern aber jegliche Hingabe – wie etwa das „Girl on the Rocks“ oder die Gouachen "Auftritt I und II" von 1987.

Girl on the rocks (1987), 180 x 140 cm, Tempera auf Leinwand

"Das 1987 entstandene Temperagemälde Girl on the rocks bedient sich eines Wortspiels: Es beschreibt die Szenerie genau - ein Frauenakt sitzt auf scharfkantigen Steinblöcken - weckt aber auch Assoziationen mit einem alkoholischen Getränk auf Eiswürfeln und damit sowohl an die Konsumierbarkeit als auch die Eiseskälte der Frau. Motivisch lässt sich Volker Bartsch hier vom Boom der Hochglanz-Aktaufnahmen in den Erotikmagazinen der 1980er Jahre inspirieren, aber auch von den perfekten, jedoch unnahbaren Schönheiten auf den Photographien von Helmut Newton.
Der winzige Kopf kommentiert die übermächtige Bedeutung des makellosen Körpers in einer vom Schönheitswahn geprägten zeit gepaart mit der Irrelevanz jeder geistigen Qualität - eine Tendenz, die im Grunde bis heute anhält.

Die Haltung des Mädchens geht auf eine drei Jahre zuvor entstandene Bilderreihe mit dem Titel "Gemeinsamkeiten" zurück. Diese und ähnliche zeitgleich entstandene Gemälde folgen einer komplexen konstruktiven Logik. Die immer reduzierter werdenden mechanisch rhythmisierten Reihungen von Körpern, die schließlich zur abstrakten Blockwerdung von Personengruppen gerinnen, evozieren den entfremdeten Menschen in der modernen Industriegesellschaft und die Entindividualisierung des Einzelnen in der Vermassung."

Jessica Ullrich: Volker Bartsch's plastische Malerei, in: Alexander Bastek (Hrsg.): Volker Bartsch. Bildhauer. Maler. Grafiker, Petersberg 2008, S. 139

Mauer des Schweigens

Die Angst vor AIDS, die in den 1980er Jahren noch viele Menschen davon abhielt, sich mit dieser Krankheit auseinanderzusetzen, ist gebrochen.
Doch noch heute steht im alltäglichen Umgang eine mindestens ebenso gewaltige  Barriere im Weg:
Das Schweigen zwischen Eheleuten, zwischen Eltern und Kindern, Freunden, Kollegen, Lehrern und Schülern.
Kaum ein HIV-positiver oder an AIDS erkrankter Mensch würde seine Mitmenschen freiwillig informieren - aus berechtigter Sorge, gefürchtet, gemieden oder ausgegrenzt zu werden.

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Der Teufel jagt die Vernunft (1987) Tempera auf Leinwand
Der Teufel jagt die Vernunft (1987) Tempera auf Leinwand
Fusione Totale 1 (1987), 162 x 192 cm, Tempera auf Leinwand
Fusione Totale 1 (1987), 162 x 192 cm, Tempera auf Leinwand
Fusione Totale 2 (1987) Tempera auf Leinwand
Fusione Totale 2 (1987) Tempera auf Leinwand
Auftritt I (1987), 26 x 36 cm, Gouache
Auftritt I (1987), 26 x 36 cm, Gouache
Auftritt II (1987), 26 x 36 cm, Gouache
Auftritt II (1987), 26 x 36 cm, Gouache
Haltung (2011), Tempera auf Leinwand
Haltung (2011), Tempera auf Leinwand
Schweigemauer (2011), Tempera auf Leinwand
Schweigemauer (2011), Tempera auf Leinwand