Kater Holzig - Die Zukunft des Vergänglichen

 

Im Jahr 2010 wurde die „Bar 25“, einer der bekanntesten Electro-Clubs Berlins, nach sieben Jahren geschlossen. Das nördliche Spreeufer unweit des Ostbahnhofs, an dem sie stand, sollte verkauft werden. Einige der ehemaligen Betreiber mieteten auf der gegenüberliegenden Spreeseite eine ruinöse, alte Seifenfabrik und stampften innerhalb weniger Monate einen würdigen Ersatz aus dem Boden, den „Kater Holzig“.

Dort nahm nur Stunden, nachdem im Restaurant „Katerschmaus“ im dritten Stock gut betuchte Gäste gespeist haben, die Generation ihrer Kinder die Clublandschaft im unteren Bereich in Besitz. Dabei galt: je schräger und auffälliger das Outfit, desto besser. Je exzessiver das Partywochenende, desto gelungener wurde es in Erinnerung behalten. Und je radikaler sich die Clubgänger scheinbar aus ihren gewohnten Strukturen lösten, desto einzigartiger fühlten sie sich. Dass viele, die versuchten, mit noch abgefahreneren Perücken, wilderen Tattoos oder größeren Ohrtunneln wenigstens ein bisschen dazuzugehören und einen Moment lang Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, längst in einer anderen Art von Struktur und ebenso konservativer Gruppen-Uniformität steckten, bemerkten sie nicht einmal.

Direkt nach der Silvesterparty 2013/14 schloss die Location nun für immer, um einem Neubau zu weichen.

Die seltsame Mischung aus Alt und Jung, Überlebtem und Brandneuem, maskierter Verklemmtheit und Lebenslust, Ekstase (zur Schau gestellter und wirklich empfunderer), sowie Endzeit- und Aufbruchstimmung war höchst faszinierend für Volker Bartsch. Seit Anfang 2012 hatte er ein Atelier im Kater Holzig, in dem er einerseits die Stimmung vor Ort und andererseits das Ringen um ein Aufhalten der Gentrifizierung an diesem Spreeabschnitt verarbeitete und die Stimmung im Club bis zu seiner Schließung grafisch, malerisch und skultural einfing.